schüttelgrat soundscapes

Dienstags im Stuwerviertel

leergut

der anbrechende tag setzt deine schritte auf die straße.
mit ihnen atmet er auf, der morgen, er atmet es aus, das schweigen am tisch, den rückzug ins glas. du kommst nicht vor im blätterwald, den die augenpaare gerade durchqueren.
schwarz auf grau,
schwarz auf hellrosa,
zum frühstück.
du kommst nicht vor in den kaninchensätzen, die über die zeitungsseiten hoppeln, haken schlagend, einschlagend.
wortdetonationen.
augenstarrkrampf.
augen, wie schlangen, die das kaninchen fixieren, die die sätze anstarren, die sich so seitenweise tummeln, die welt ins auge zu legen.
wer alles schluckt, findet auch diese welt köstlich.

oh! happy day hat sich die lange nacht auch wieder um die ohren geschlagen.
die klarheit der morgenstunden ist nicht einfach hier, in diesem viertel. ganze geschwader, die sich verziehen müssen für diese klarheiten,
rauchgeschwader,
wortgeschwader,
polizeigeschwader.
viele stehen sich ab, hier, auf der straße, sie stehen sich ab und zu steht ihnen nichts. von sittenwidrigkeit abgesehen. ein freier verkehr, der zirkuliert.
stuwerviertelsafari in der geheizten zelle.
automobil.

in die klarheiten des morgens vertiefen sich deine ohren.
ein heben und senken der blätter,
der dankbaren blätter, die alles aufnehmen, aufsaugen,
alles, was aus den so gut wie leeren worthülsen tropft.
dankbare blätter, die alles aufnehmen, aufwischen,
alles, was um die mäuler geschmiert und in den mund gelegt worden ist.
dankbare blätter, die alles einsacken, einschlagen,
alles, was die wortdetonationen übrig gelassen haben,
die schlagzeilen, die schlagworte, die wortkrüppel,
die haken, die die kaninchensätze schlagen.
dankbare blätter, die alles einsacken, einnehmen,
alles, was niet- und nagelfest ist,
die alles feststellen und ausmachen,
die auslöschen und ins nackte leben rufen.
diese dankbaren blätter, sie heben sich, sie senken sich, sie verschwinden in der versenkung, leergut, das poltert, in das fahrzeug hineinpoltert, an dem du gerade vorübergehst.
deine ohren,
ins heben und senken vertieft,
ins holterdiepolter der worthülsen, der kaninchensätze, der schlagzeilen.
deine augen,
umringt von den letzten nachtstunden,
sie scheren sich nicht darum, was vor ihnen, was vor dir liegt,
schön sind sie auch nicht, diese aussichten.
deine schritte,
mit ihnen atmet er auf, der morgen, er atmet es aus, das wortgeknatter, das nicht auf dich abzielt, er atmet sie aus, die schläge im blätterwald, in dem du nicht vorkommst. du kommst gar nicht vor, nicht im raunen der blätter, nicht in den kaninchensätzen, die jetzt abfahren.
leergut der sprache sie und du strandgut des lebens.
(es)

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